Yamaha WR 250
Dauertest Yamaha WR 250 2015
Ende des Jahres 2015 kamen Gerüchte auf, dass Yamaha im Endurobereich etwas Neues bringen würde, wohlbemerkt als Zweitakter. Es kam dann auch so und man konnte in Deutschland eine Yamaha WR250 erwerben, die von Moto SPA zulassungsfertig mit Brief und dem notwendigen Kram für Drosselung etc. ausgerüstet war. Eine äußerst geringe Stückzahl lässt die WR ohne F im Namen aber bis heute eine absolute Exotin sein!
Ich hatte damals auch mit dem Gedanken gespielt eine WR zu kaufen, auf Grund der Verfügbarkeit bin ich dann aber weiter und zufrieden Beta RR gefahren.
Vor einigen Wochen bekam ich einen Anruf aus der Eifel. Ein Endurokollege wollte seine wenig genutzte Yamaha verkaufen und fragte, ob ich Interesse hätte. Und dann ging alles ganz schnell. Keine 24 Stunden später hatte ich das Bike gekauft und war total begeistert ein neues Motorrad zu haben!
Im Rahmen des Dauertests werde ich nun monatlich von meinen Erfahrungen zur WR250 berichten.
Fangen wir gleich mal mit den Bedenken an, die man schon bei der Vorstellung der Yamaha im Internet lesen konnte und die auch nicht von der Hand zu weisen sind.
Ganz klar sind fünf Gänge, nur Kickstart und ein nicht transparenter 8 Liter fassender Tank nicht der feuchte Traum eines Enduristen im Jahr 2017. Zugegeben auch nicht meiner! Aber für die anstehenden SixDays und meine Einsätze im klassichen Enduro hielt ich die Mankos für überschaubar und fand genügend Gegenargumente um eben doch so einen Exoten zu kaufen. Auf der Haben- Seite stehen nämlich ein tolles Serienfahrwerk, ein irre leichtes Gewicht und ein überragendes Handling.
Ende Mai ging es nach Rumänien zu Enduro mit Emy, also genau dorthin, wo meiner Meinung nach 300ccm und ein E-Start besser sind als ein Alurahmen und schmale Kühler mit 1.1Bar Deckel. Ehrlich gesagt war ich sicher, dass die bessere Wahl meine 300er Beta sei, aber die Yamaha wollte ich unbedingt fahren, auch wenn ich mich innerlich schon auf Frust eingestellt hatte. Es kam aber ganz anders und ich war völlig überrascht ,wie gut die WR im harten Gelände funktionierte! Hier hat der Vorbesitzter allerdings auch mit Sinn und Verstand den Motor und die Auspuffanlage verändert. Ich bin sicher, dass die große Schwungmasse samt Überarbeitung der Auslassteuerung durch Bernd Theisen und die FMF Gnarly Auspuffanlage der 250er nochmals bessere Manieren beigebracht haben. Absolut faszinierend ist das geringe Gewicht und die thermische Belastbarkeit des Motors: Wenn um mich herum alle Bikes gekocht haben, lief die WR noch sauber ohne Dampf abzulassen. Auch was die Traktion angeht ,war ich überrascht und hätte nicht geglaubt, wie sanft und dosiert sich der vom MX Modell YZ übernommene Motor fahren lässt.
Zurück in Deutschland bin ich in Werl und Paderborn zwei Rennen gefahren und war hier ebenfalls total zufrieden mit der Blauen aus Japan. Über die Distanz von zwei Stunden brauchte ich nicht nachzutanken, nicht mal auf Reserve musste ich stellen.
Für die SixDays stehen nun ein paar Modifikationen an. Bisher habe ich am Bike keine Veränderungen vorgenommen und nur einen Stundenzähler vom respect-racing Shop verbaut.
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 2
Es geht auf den Endspurt zu den Sixdays für mich und meine neue Yamaha zu. Im ersten Test hatte ich bereits erwähnt, dass der Vorbesitzer schon gute Modifikationen (Auspuffanlage, Schwungmasse) an der WR gemacht hatte und diese nehm ich auch so mit nach Frankreich, da sie der Fahrbarkeit und Leistungsentfaltung absolut zuträglich sind. Ein paar Dinge habe ich aber nach meinem Geschmack ergänzt. Von Acerbis gibt es einen sehr durchdachten großen Motorschutz. Dieser deckt die Unterzüge komplett ab und hat eine kleine Verlängerung zur Umlenkung hin welche diese noch zusätzlich vor Feindkontakt bewahrt. Ebenfalls in den Bereich Schutz fällt die Kettenführung. Serienmäßig ist dieser mit einem Alukäfig umschlossen der bis zu einem gewissen Grad gut schützt, aber nicht flexibel ist, wenn er beschädigt wird. Um einen Ausfall durch die verbogene Kettenführung zu vermeiden habe ich eine Kunststoffführung vom TM Designworks von einem Kupel erstanden der diese übrig hatte.
An der Yamaha Achse lässt sich beim Reifenwechsel absolut schlecht anfassen und so habe ich dort eine Ausziehhilfe verbaut. Eine Kleinigkeit mit hohem praktischen Nutzwert, gerade wenn der Ausbau mal schnell gehen muss. Ebenfalls nicht gravierened, trotzdem wichtig sind die neuen Griffgummis von ProTaper die in der soften 1/3 waffle Version nach längerer Zeit mit den dicken Griffen ungewohnt sind. Wegen Blasenbildung überlege ich bei den Sixdays doch wieder die Pillow Variante zu montieren.
Etwas umfangreicher war dann aber die Maßnahme am Fahrwerk. Eigentlich wollte ich das Kayaba Fahrwerk längere Zeit testen und bin damit auch top zufrieden gewesen, nun kam es anders. Die Gabel lief hemmungslos aus, auch das Säubern der Simmeringe half nicht weiter und ich fuhr einen Tag fast ohne vordere Bremse weil das Öl stetig auf die Bremszange tropfte. Wieder zuhause angekommen baute ich die Gabel aus um sie zum Servie an ZAH Racing zu geben. Als alles demontiert war beschloss ich kurzerhand die Sölva Gabel aus meiner Beta probeweise einzubauen. Siehe da, alles passte auf Anhieb und den Bremssatteladapter für die Yamaha hatte ich passenderweise noch vom Kauf liegen. Jetzt bleibt die Gabel erstmal drin und funktioniert wieder sehr schön wie sie das in der Beta auch getan hatte.
Leider gibt es nicht nur positives zu vermelden. Bei den letzten Ausfahrten fiel mir immer wieder auf, dass etwas Kühlwasser verschwand. Auch lief der Motor nicht so gut wie er es vorher getan hatte, gefühlt magerte er ab, wurde zu heiß und begann bei Vollast zu klopfen und neigte zum typischen Nachlaufen. An der Bedüsung hatte ich nichts geändert (Hauptdüse 178, Leerlaufdüse 50) und die Temperaturen waren sommerlich, entsprechend hätte ich eher eine zu fette Abstimmung vermutet. Ich baute also die Düsen in der Vermutung aus, dass diese verschmutzt seien – doch das Phänomen wurde nicht besser. Es blieb mir nichts anderes übrig als den Motor genauer unter die Lupe zu nehmen. An den Wasserführungen des Zylinderkopfes scheinen zwei Stellen nicht absolut dicht gewesen zu sein, hier könnte Wasser in den Brennraum gedrungen sein und das wäre die Erklärung für den sich stetig verschlechternden Motorlauf. Auch der Kolben war nicht mehr der Beste und reif für den Tausch. Praktischerweise gibt Yamaha einen Dichtsatz samt Kolben und Nadellager zum Kauf dazu und so konnte ich alles wieder zusammen setzten.
Und weil es grad so schön war konnte ich mich der zweiten Baustelle, nämlich der Kupplung widmen. Hier konnte ich einfach keine Einstellung mehr finden die funktionierte, entweder sie rutschte oder sie trennte nicht mehr. Bei einem Bike was nur Kickstart hat nervt das auf die Dauer gewaltig wenn der Motor immer abstirbt sobald man die Drehzahl zu weit fallen lässt... Jetzt sind neue Reib- und Stahlscheiben samt neuer Federn eingebaut und ich hoffe nun Ruhe zu haben, wobei die Rattermarken auf dem Kupplungskorb auch schon ausgeprägt sind. Für die geringe Laufleistung bin ich ob des nötigen Reperatur- oder Wartungsaufwandes wenig begeistert muss ich zugeben. Da bin ich von den europäischen Bikes besseres gewohnt! Trösten tue ich mich mit der hervorragenden Traktion und der tollen Fahrbarkeit der Yamaha. Bleibt zu hoffen, dass die Sixdays ohne außerplanmäßige Schraubereinheiten ablaufen. Stand heute ist der Plan die WR nicht mehr zu bewegen und die letzten drei Wochen vor Frankreich meine YZ zu fahren. Passender Weise hat die gerade eine Motorrevision nach kapitalem Schaden hinter sich...
Ein paar in meinen Augen wichtige Upgrades will ich unbedingt noch vor den ISDE verbauen. So habe ich bei partseurope schon den Katalog gewälzt und griffige Fußrasten nebst Bremsscheibenschutz auf die Wunschliste gesetzt! Mehr dazu im kommenden Heft.
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 3
Belastungsprobe bei den ISDE in Frankreich
Wenn ich behaupten würde ich sei total sicher gewesen, dass meine Yamaha die Sixdays locker übersteht wäre das glatt gelogen. Zuviel hatte ich im Vorfeld schon an der Japanerin geschraubt und das letzte bisschen Vertrauen in die Zuverlässigleit fehlte mir daher. Im letzen Dauertest hatte ich ja von Kolben-, Kupplungs-, und Fahrwerkstausch berichtet. Stimmt nicht ganz, vom Tausch des Federbeins hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nichts geschrieben. Aus meinem YZ 250 Crosser hatte ich das Öhlins Federbein zu Andreas Herresthal gegeben und ihn gebeten es auf ein Endurosetting umzubauen. In dem Zug bekam die Gabel auch gleich noch neues Öl und eine Durchsicht. Fahrwerksseitig gab es also keine Ausreden und auch keine zu erwartenden Fehler. Eigentlich finde ich das originale KYB Fahrwerk schon ziemlich gut, hätte ich die anderen Komponenten nicht besessen, hätte ich nur einen Service an den Originalteilen machen lassen.
Womit ich schwer auf Kriegsfuß stehe ist die Elektrik, eigentlich ist ja nicht so viel dran am Bike, aber ich hab trotzdem Hilfe gebraucht um das Rücklicht richtig zu verdrahten. Bei der technischen Abnahme in Frankreich fiel ich trotzdem deswegen durch: Wenn ich die Bremse zog, leuchtete zwar das Rücklicht, aber der Frontscheinwerfer ging aus. Das ist mir zuhause nicht aufgefallen, es ist ja auch schwierig alleine gleichzeitig das Licht vorne und hinten zu checken...Dank der Hilfe von vielen Händen im deutschen Zelt hatte ich aber flugs ein passendes LED Rücklich verbaut und ich durfte an den Start gehen. Die 30€ schulde ich dem Betreuer übrigens noch, falls du das liest meld dich bitte bei mir! Unnötigerweise für die technische Abnahme angebaut hatte ich übrigens Hupe, Tacho und Rückspiegel. Die Informationen im Vorfeld waren nicht eindeutig, aber in Frankreich benötigte man die Sachen nicht. Ebenso wie übrigens die Blinker, das allerdings war vor dem Rennen schon bekannt gegeben worden.
Alles was ich sonst in der Vorbereitung auf die Sixdays verbaut habe, fällt in die Kategorie: Nice to have! Von parts europe bekam ich das Edelste was man so brauchen kann. Ich fand die originalen Rasten von Yamaha von der Breite und Größe okay, aber der Grip war schlechter als erhofft. Von Kite gibt es Rasten aus Aluminium mit einem Stahlzahnkranz als Aufschraubelement. Eine clevere und sehr griffige Lösung. Sind die Zacken irgendwann rund oder verbogen kann man diese Austauschen. In der Originalverpackung liegt sogar Ersatz bei, super! In Rumänien hatte ich mir den Fußbremshebel so deformiert, dass er sich nicht wieder richten liess und auf Dauer war das kein Zustand den ich haben wollte. Von MooseRacing gibt es eine Alternative mit deutlich breiterer Auftrittfläche und ebenfalls mehr Grip. Ein Sicherungsseil gehört lobenswerter Weise ebenfalls zur Ausstattung. Um Grip und Optik geht es auch beim „pyramide“ Sitzbankbezug von Blackbird. Der Bezug hat eine Oberfläche auf der man kaum rutscht, eher zieht es einem die Hose runter als das man abrutscht! In blau passt auch die Optik perfekt zum neuen Look der Yamaha. Wir hatten für die Sixdays unsere Bikes in einheitlichem Dekor von MJ Sport gestaltet und blau ist nicht nur die Grundfarbe der Yamaha sondern natürlich auch französische Nationalfarbe. Ein neuer Plastiksatz war schnell verbaut und die Passgenauigkeit der Teile von ???Polisport oder RaceTech??? war top. Kompliment fürs mitdenken geht an den Hersteller, es waren nämlich sämtliche Unter-, oder Beilagscheiben und sogar eine Hitzeschutzmatte für die Abdeckung des Endschalldämpfers dabei.
Mit der bisher verbauten Kupplungsarmatur war ich nicht zufrieden, der Druckpunkt wanderte deutlich und ich hab das Problem mit einer neuen MooseRacing DC8 Armatur in den Griff bekommen können. Den passenden Flexbremshebel gab es ebenfalls bei PartsEurope. Nachdem ich bei der Beta schon gute Erfahrungen mit der MooseRacing Sharkfin, also dem Bremsscheibenschutz gemacht hatte, wollte ich dieses Teil an der WR nicht missen und konnte es passend vor den steinigen Sixdays anbauen. Nach den sechs Tagen zieren das gute Stück ein paar kräftige Macken und es bestätig damit seine Daseinberechtigung!
Um dem ganzen die Krone aufzusetzen orderte ich bei mx24-fun einen premium Felgensatz. Folgende Komponenten sind verwendet: SM Pro Felgenringe in schwarz, blaue Kite Nabe, blaue Speichennippel und die dicken Bulldog Speichen. Ob sich die Felgen lohnen und ob sie alle Belastungen gut wegstecken berichte ich zeitnah im Speedcheck! In Frankreich hatte ich etwas Tränen in den Augen als es hieß auf Zeit die Reifen zu wechseln – die ersten Kratzer tun ja schon immer weh bei neuen Teilen...
Stand heute steht die Yamaha sauber in der Garage. Die Sixdays haben ihr nicht wirklich etwas anhaben können. Ganz gegen meine Befürchtungen musste ich außerplanmäßig nicht schrauben. Bei den ISDE ist das Reglement ja sehr eng und dem Fahrer bleiben, wenn er eng in den Etappenzeiten liegt, tatsächlich nur wenige Minuten zum schrauben und Service durchführen. Nach dem Renntag hat man 15 Minuten Zeit, allerdings sind darin inbegriffen auch die Fahrt von der Zeitkontrolle durchs Fahrerlager zum Zelt/Arbeitsplatz und anschließend die Fahrt zum park ferme. Netto hat man mit absteigen, aufbocken, Helm abnehmen etc. vielleicht 10-12 Minuten. Jeden Abend habe ich den Funnelweb Luftfilter getauscht - alleine das kostet bei Yamaha ohne cleveren Schnellverschluss ein paar Minuten wenn man die Sitzbank demontieren muss und die Halterungsschraube löst. Reifenwechseln inkl. Aus- und Einbau muss dann schon sitzen will man keine Starfminuten kassieren. Wie gesagt es fiel zum Glück nichts außerplanmäßiges an bei mir und so tauschte ich nach Tag zwei den hinteren Metzeler Sixdays Reifen, nach Tag drei den vorderen Metzeler (übrigens in der hard Variante), an Tag vier wieder den Hinterreifen und an Tag Nummer fünf das Getriebeöl. Nach Tag sechs, dem Finaltag war ich ziemlich happy die WR mal wieder waschen zu können – dreckige Bikes mag ich nämlich überhaupt nicht...
Stand heute steht die Yamaha einsatzbereit in der Garage und mein Lieblingsrennen in Winkel, das Vulkanenduro findet bald statt. Ich überlege noch welchen Reifen ich aufziehen soll. Und Ende September ist dann endlich wieder Zeit für den Regenklassiker in Rommersheim, auch dafür muss ich mir noch einen Reifen überlegen. Aber hey, Reifen wechseln kann ich nach den Sixdays ja ganz gut!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 4
Herbstanfang mit Eifelrennen
Nach den Sixdays ging es nicht etwa in eine Enduropause, sondern direkt weiter mit meinen Lieblingsrennen. Eine Woche Fahrpause nutzte ich um die Yamaha für die Rennen vorzubereiten was sich nicht besonders kompliziert gestaltete. Demontieren ist bekanntlich einfacher als montieren – Licht, Tacho und Kennzeichen wanderten also wieder dorthin wo sie hingehören: in eine Kiste in der Garage!
Für das Vulkanenduro ließ ich vorne den Metzeler Sixdays drauf,aber hinten fuhr ich einen Mitas C12 soft, allerdings versehentlich mit einem harten Mousse wie ich erst beim Rennen feststellte. In Winkel waren die Bedingungen nach zwei Wochen Regen anfangs nicht so richtig ideal und es war doch etwas rutschig und der Boden tief. Gleich in Runde Eins scheiterte ich zudem noch an der Felsauffahrt was einen suboptimalen Rennstart perfekt machte. Ansonsten liefen die fünf Stunden allerdings recht rund und die Strecke war toll. Die Vulkancrew hatte es auch im siebten Jahr geschafft die Strecke weiter zu verfeinern und auch etwas anspruchsvoller zu gestalten, wohlbemerkt ohne den Fahrspaß zu trüben! Abgesehen von dem Schlammloch auf der Wiese übrigens... Am Ende konnten mein Teampartner Markus Dengler und ich den fünften Platz einfahren und hatten einen absolut tollen Endurotag mit vielen netten Leuten! Suboptimal waren bei den Bodenverhältnissen meine Reifenexperimente. Der Metzeler in der „hard“ Variante hat etwas zu geringe Selbstreinigung und war daher meist mit Erde gefüllt was der Fahrbarkeit nicht zuträglich war. Kein Vorwurf denn für die Bedingungen ist der Reifen einfach nicht gemacht! Der softe C12 funktionierte gut, hätte aber mit einem weicheren Mousse sicher noch besser sein können. Rundum lief die WR250 gut und bot wieder einen guten Mix aus Fahrbarkeit, Traktion und auch erstaunlichem Komfort den ich von einer 250er Zweitakter kaum erwarten würde. Die saubere Leistungsentfaltung mit erhöhter Schwungmasse und das ausgewogene Fahrwerk sind hierfür sicherlich ausschlaggebend.
Vor den Sixdays hatte ich eine Mandelentzündung und diese hatte ich nicht vernünftig auskuriert. Das bescherte mir nach dem Wochenende in Winkel eine Pause die ich mit einer Rachenentzündung verbrachte. Derart gut vorbereitet ging es wieder in die Eifel zum nächsten Rennen nach Rommersheim. Hier standen sechs Stunden Teamenduro mit meinem Bruder Tobias auf dem Programm. Passenderweise regnete es vor dem Rennen sintflutartig und die ohnehin schon fordernde Strecke wurde eine echte Herausforderung! Zum Glück hatte ich nun vorne und hinten das schon recht viel gefahrene weiche Gibson speedyMousse verbaut was dem Grip gut tat. Vorne packte der bestimmt 30 Betriebsstunden gelaufene Gibson 9.1 noch ganz gut und hinten hatte ich den C12 gedreht um eine scharfe Kante zu haben. Ich sage mal so, weder der Reifen noch ich wurden im Rennverlauf besser...Letztendlich landeten wir auf Platz 8. und waren gut zufrieden! Neben gefühlten zehn Kilo Erde hab ich noch ein paar Blessuren als Andenken mitgenommen, egal! Auch hier riesen Lob und Dank an die Veranstalter dieses super Rennens.
Die Yamaha ärgerte mich aber wiederholt mit einen furchtbaren Startverhalten wenn sie kalt war. Ich hatte die Zündkerze erneuert und den Vergaser gesäubert, aber trotzdem wollte die Blaue bei dem feuchten Wetter und Temperaturen um 10°C nur wiederwillig starten. Sobald der Motor warm ist, reicht allerdings ein Kick aus um ihm Leben einzuhauchen.
An anderer Stelle gibt es keinen Grund zur Klage, trotzdem wollte ich mal einen Kühlerdeckel mit 2.1 bar testen, okay ich benötigte den Neuen weil ich zuvor bei einer Tour den Deckel nicht festgeschraubt und dummerweise dann verloren hatte. Erstaunlicherweise ist die Yamaha thermisch unglaublich stabil und nur bei ärgsten Schindereien zum kochen zu bekommen, obwohl sie nur einen 1.1er Deckel in Serie verbaut hat! Von Mooseracing habe ich nun einen neuen Deckel verbaut denn ich spekuliere auf einen Herbst mit deutlich höherem Anteil an kernigem Enduro. Mal sehen ob ein Überkochen somit völlig wegfällt! Ich freu mich schon darauf es rauszufinden!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 5
Nach den beiden Eifelrennen ging es weiter mit der Veranstaltung „Rund um den Fiener“ in Tucheim. Fürs klassische Enduro galt es also wieder Spiegel, Hupe, Tacho, Blinker, Fim Reifen und Co. an die Yamaha zu montieren. Hatte ich ja passenderweise alles noch auf der Werkbank liegen. In Tucheim war die Athmosphäre total entspannt und sowohl Papier- als auch die technische Abnahme waren mit Augenmaß der Offiziellen schnell erledigt, teilweise war der StVZO Krempel überflüssig.
Schnell erledigt hatte sich dann leider auch mein Rennen: Nach ordentlicher Wäsche, kompletter Durchsicht mit Ölwechsel und frischem Luftfilter hatte ich die WR ansich nach dem letzen Einsatz startklar und vor heimischer Garage lief sie auch problemlos. Punkt 11:07 Uhr sprang der Motor mit gezogenem Choke wie erwartet an, starb aber nach 200 Metern ab. Die ersten Verdächtigen waren schnell gecheckt, Benzinhahn war offen, Choke nicht mehr gezogen, Sprit drin... Entsprechend hab ich gekicked wie ein Blöder, dann haben mich mehre freundliche Zuschauer angeschoben, beides ohne Erfolg. Lippe kam angelaufen und wir tauschten die Zündkerze – vergebens. Ich schob also frustriert zum Fahrerlager zurück und nahm dort in Ruhe Sitzbank, Tank und Co ab. Dabei fiel mir ein, dass mein Bruder den Luftfilter für mich getauscht hatte, aber ich zur Wäsche einen Lappen in den Ansaugtrakt getan hatte. Siehe da, das gute Stück steckte bereits schön im Gasschieber fest! Nachdem ich alle Teile des Lappens rausoperiert hatte, ging es doch noch auf die Etappe, wenn auch weit hinter den letzen Startern hinterher. Die Yamaha lief aber dann top und auch die Strecke hatte richtig schöne Anteile. Die Sonderprüfung war abwechslungsreich und mit den wechselnden Untergründen auch anspruchsvoll. Auf den Ackerteilen bin ich immer wieder überrascht wie gut sich die Zweitakt Yamaha dort fahren lässt, ohne furchbar anstrengend zu werden. Scheinbar sind 250ccm und eine große Schwungmasse für mich und mein Tempo gut passend!
Unpassend hingegen ist wie sich der Weg der Kupplung verstellt. Mit der neuen ARC DC8 Armatur hatte ich gedacht das Problem besitigt zu haben. Wie sich herausstellt hat es sich verbessert, aber ideal ist es noch nicht. An Auffahrten wo man bei viel Drehzahl immer wieder in die Kupplung greifen muss, verschiebt sich der Druckpunkt fast bis an den Lenker. Klar was dann passiert: Entweder das Moped steigt oder man würgt den Motor ab. Beides ziemlich blöd und gerade bei Hardenduroeinsätzen nicht so hinzunehmen wie ich finde. Von Magura gibt es eine hydraulische Kupplungsbetätigung die das Problem ad acta legen sollt. Durch die Hydraulik wandert der Druckpunkt nicht mehr und man kann konstant dosieren egal wie heiß die Kupplung gefahren ist. Magura bietet das Hymec genannte System für fast alle Dirtbikes mit originaler Seilzugarmatur an und man bekommt in den Nachrüstkits alle benötigten Anbeiteile samt fertig befüllter Leitung für sein Bike. Schöner Nebeneffekt ist eine angenhem geringe Bedienkraft des Kupplungshebels! Im generellen weiß die durchdachte Hymec mit guter Verarbeitung, absoluter Passgenauigkeit und einem fairen Preis zu überzeugen. Hier hätte ich schon vorher mal drauf kommen sollen! Auch die Montage ist kinderleicht. Zur weiteren Einstellung auf die persönlichen Vorlieben sind zwei unterscheidlich lange Kupplungshebel erhältlich. Ich habe mich für die kurze Variante entschieden, übrigens sind die Hebel flexibel und können bei Bodenkontakt nach vorn klappen.
Im letzen Test hatte ich den 2.1er Kühlerdeckel von Mooseracing verbaut. Bisher kann ich sagen, dass ich die WR nicht mehr zum dampfen bekommen habe. Und ich habs im ein oder anderen Hang durchaus provoziert! Im Speedcheck findet ihr zum neuen Michelin Enduro Reifen eine ausführliche Einschätzung meinerseits. Aber auch an dieser Stelle kann ich nach einem Monat des Testens in unterschiedlichstem Geläuf nur Gutes darüber schreiben. Wer also neue FIM Reifen braucht sollte dringend in Erwägung ziehen mal was neues auszuprobieren!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 6
Mache ich hier im Dauertest dort weiter wo ich im letzen Heft aufgehört habe. Und das war bei der Kupplung, genauer bei der neuen Hymec Armatur welche die Seilzugarmatur nun ersetzt. Da ich zur Zeit wieder mehr technisches Enduro fahre, habe ich viel Freude an dem System von Magura. Endlich sind lange Hänge mit Kupplungseinsatz wieder kontrollierter zu fahren und man bleibt Herr über die Kupplungsbetätigung! Warum die Japaner noch immer seilzugbetätigte Kupplungen verbauen kann ich aus technischer Sicht nicht nachvollziehen. Für den endurofahrenden Kunden ist es sicher kein Vorteil.
Ärgerlicherweise beschleicht mich aber das Gefühl an der Kupplung eine andere Baustelle zu haben. Der Kupplungskorb hat sehr deutliche Rattermarken von den Lamellen und scheint mir bald am Ende seine Nutzbarkeit angelangt zu sein. Ich habe wenig Lust etwa 200€ für das Originalteil mit bewiesenermaßen überschauberer Haltbarkeit zu zahlen. Mal sehen was die Teile aus dem Zubehör kosten und wo es passendes für meine Yamaha gibt. Es gibt diverse Hersteller wie Talon, Prox, Wiseco und Hinson. Bei Rekluse gibt es eine „normale“ Kupplung genannt „Core manual“, aber dann nur komplett und nicht den bei mir ausgeschlagenen Korb einzeln. Alternativ kann ich die Rattermarken glattfeilen oder einem Freund zum fräsen mitgeben, nur ist beides dann ein Spiel auf Zeit. Mal sehen wie ich das löse.
Motorseitig muss ich bei meiner WR demnächst mal wieder etwas Zeit investieren. Der zweite Kolben ist schon eine Zeit vor den Sixdays montiert gewesen und ich fürchte, dass ich bald den dritten einbauen muss. Kompression und Leistung sind zwar noch gut, aber das Kolbenbild beim letzten Wechsel war nicht wirklich schön. Ich fürchte ähnliches beim erneuten Kolbenwechsel. Sobald ich etwas Zeit habe, oder sobald das Wetter eine Zwangspause verordnet nehme ich die Baustelle in Angriff. Den Zylinder muss ich hoffentlich nur zum hohnen und vermessen geben, was ja schnell erledigt ist.
Leider ist die Rennsaison so gut wie beendet und für mich steht nur noch das 4h Enduro in Grevenbroich an. Im letzen Jahr bin ich dort mit meiner Beta gestartet, aber in diesem Jahr will ich doch mal mit meinem Crosser fahren. Meine YZ 250 ist in vielen Teilen identisch mit der WR, fährt sich aber doch ganz anders. Da merkt man schon die diversen Modifikationen um aus dem ursprünglichen Crosser eine Enduro zu machen. Yamaha hat da selber ja werksseitig einiges getan und die von mir getätigten Umbauten sind ja auch nicht für die Crosstrecke gedacht gewesen. Ich glaube fast, dass ich mich auf der Enduro sogar wohler fühlen würde bei der langen Distanz aber eben um das herauszufinden möchte ich mal die YZ dort fahren. Erst danach bin ich dann klüger und kann vielleicht etwas daraus lernen.
Die WR steht nun auf neuen Gummis und ich freue mich auf ausgiebiges Testen der neuen MAXXIS Maxxenduro Reifen in der SOFT Variante. Vielleicht sieht man sich ja im Dezember in Belgien im schönen Bilstain!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 7
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mit dem letzten Rennen des Jahres 2017 in Grevenbroich wollte ich nochmal intensiv den Unterschied zwischen Enduro, also WR und Crosser nämlich YZ für mich testen. Ich hatte mich gefreut mit meinem Bruder im Team zu starten und im tiefen Sand Nerven und Schweiß zu lassen. Leider kam ich dann aber krankheitsbedingt nicht zum Start und muss jetzt recht lange warten bis die Rennsaison wieder losgeht. Wahrscheinlich werde ich die neue deutsche Hardenduro Serie fahren und die WR auch für den Einsatz dort weiter optimieren.
Passend zum Hardenduro Einsatz hatte ich diesen Monat die soften Reifen von Maxxis montiert und konnte diese ausgiebig fahren. Zusammen mit einem weichen Mousse war ich von der Performance durchaus angetan! Mehr zum Reifen findet ihr in dieser Ausgabe im Speed-Check.
Ansonsten gab es, abgesehen von einer neuen Ritzalabdeckung in diesem Monat keine größeren Änderungen an der Maschine. Die Abdeckung ersetzt das originale Teil, welches nicht mehr ansehnlich gewesen ist. Aber in Bilstain musste ich mal wieder feststellen wie viel Matsch und Zeug sich am Ritzel sammelt und dort kaum wieder herauszubekommen ist. Am besten fährt man ohne die Abdeckung wenn es das Reglement erlaubt und man das Risiko für sich eingehen mag. Nachdem ich in Belgien die Yamaha direkt nach dem fahren mit dem Hochdruckreiniger sauber gemacht hatte, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen das Moped zum Bus zu schieben. Ich hatte nur Turnschuhe an und mit denen ließ sich das kalte Bike nach der Wäsche absolut nicht starten. Mittlerweile weiß ich ja wie zickig die Kiste manchmal beim Startverhalten ist, bei den Sixdays und in Rommersheim beim Rennen hatte ich das ja auch schon mal. Die Zündkerze sieht zwar gut aus, tauschen werde ich sie aus Vorsicht trotzdem.
Der Tausch der Kupplung, beziehungsweise des Kupplungskorbes steht noch aus, genauso wenig hatte ich Zeit den Kolben zu wechseln. Eigentlich heißt es ja erst die Technik in Schuss zu halten und dann die Optik, beides will ich zeitnah angehen. Zunächst überlege ich für den Start ins neue Jahr einen neuen Plastiksatz zu verbauen und habe von MJ Sport bereits die Sticker daheim. Das Dekor aus Frankreich werde ich mitsamt aller Plastikteile behalten. Da hängen Erinnerungen dran und ich finde sowas kann man als Souvenir ruhig behalten. Mag sein, dass es ewig in der Garage liegt und nie wieder Verwendung findet, trotzdem ist es mir zu schade einfach die Sticker abzuziehen und neue drauf zu kleben! Das neue Dekor wird sehr schlicht und hat auch keine Startnummern da ich mich nicht fest für eine Serie einschreibe. Zwar hätte ich Lust ein wenig im Pokal mit an den Start zu gehen aber das Bedeutet mit Transponder, StVZO Kram und Co. schon einen Aufwand den ich zumindest heute noch scheue. Und ich freue mich aufs Hardenduro wo ich so wenig am Moped haben darf wie ich möchte!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 8
In diesem Monat ging es dann endlich mal intensiv mit Wartungsarbeiten und optischer Auffrischung voran! Wie bereits im letzen Heft erwähnt hatte ich einen Kolbenwechsel und ein neues Design mit neuen Plastiks auf dem Zettel. Nach der Sonntäglichen Ausfahrt vor drei Wochen hieß es also die Yamaha ordentlich waschen und dann runter mit allem was so geht bis fast nur noch der Rahmen mit Rumpfmotor auf der Bühne steht. Bei ziehen des Zylinders musste ich ein wenig kämpfen, denn bei letzen Kolbenwechsel hatte ich es etwas übertrieben mit dem anziehen der Schrauben. Der Kolben hatte schon bessere Stunden gesehen und war definitiv fällig und der Zylinder brauchte auch etwas Kreuzschliff sah aber noch ganz vernünftig aus. Zusammen mit den Vergaser an dem die butterweichen Kreuzschlitzschrauben der Schwimmerkammer rund waren ging es für die Teile im Paket gen Norden. Da hab ich das Glück mit Meik einen friesischen Kumpel und Motorenguru zu kennen der den Vergaser im Ultraschall gereinigt und den Zylinder vermessen und geschliffen hat. Von Prox kam ein neuer Kolben im Maß B rein, natürlich mit neuem Kolbenbolzen und Nadellager. Ein neues Dichtungskit und fertig war der Motor der übrigens nach Kick Nummer zwei mit neuer Kerze wieder sauber lief.
Doch etwas mehr Aufwand hatte ich mit den neuen Plastiks. Yamaha hat einen Luftfilterkasten mit angenieteten Seitenteilen und es ist ein grausames Gefummel diese auszutauschen weil weder Platz zum aufbohren der alten, noch zum einsetzen der neuen Nieten ist. Also habe ich mit der Erfahrung und weil ich das Dekor von den Sixdays ohnehin komplett behalten wollte den Plastiksatz von Polisport im originalen blau und weiß gekauft. Hier ist nämlich ein neuer Luftfilterkasten enthalten der sich wenn der Heckrahmen demontiert ist recht vernünftig und ohne fingerbrechen montieren lässt. Etwas störend ist, dass der Frontkotflügel nicht vorgebohrt ist, aber man kann den alten ja als Schablone nutzen. Echt easy war es das Dekor von MJ Sport zu verkleben. Die Passform und Qualität der Sticker ist prima und diesmal hab ich auch dran gedacht gelochte Sticker für den Tank zu bestellen! Leider hab ich nur Bilder vom verdreckten Bike diesen Monat, aber mit der neuen und sehr schlichten Optik bin ich sehr zufrieden und liefere ein Bild zur nächsten Ausgabe.
Da ohnehin grad alles demontiert war baute ich noch die Gabelbrücken aus und reinigte und fettete alles. Zu guter Letzt kam von Partseurope ein neues Lenkermodell von Neken in die Lenkerklemmung. Für mich ungewohnt flach von der Geometrie, aber richtig angenehm zu fahren. Mehr zu dem SFH genannten Neken Lenker gibt es im Speedcheck dieser Ausgabe.
Eine Baustelle schleppe ich aber noch weiter: Die Kupplung, besser gesagt den eingeschlagenen Kupplungskorb. Hier hatte ich zwar einen Korb von Prox gekauft, aber war von der anstehenden Aufgabe diesen zu verbauen etwas überfordert. Da ich nicht länger als ein Wochenende aussetzen wollte die WR zu fahren beschloss ich den Wechsel zu vertagen. Man muss erst die Nieten ausbohren und dann noch mit einer acht Tonnen Presse laut Anleitung ein Teil einsetzten. Sowas hab ich erstens noch nie gemacht und zweitens nenne ich auch keine Presse mein Eigen. Hier war ich mit meinem Schrauberlatein also am Ende und werde da einen Profi bitten mir zu helfen bevor ich es selber vermurkse.
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 9
Aus Enduro Sicht war der Februar ein völliger Flop! Zum einen war es sogar bei uns in NRW so kalt, dass man kaum Möglichkeiten hatte zu fahren, weil eben alles gefroren und knüppelhart und somit saugefährlich war. Zum anderen hat mich mein ewiges Dauerthema Kupplung ordentlich geärgert.
Nachdem wir einen extrem kalten, etwas verschneiten und wirklich technischen Tag mit den Dauertestbikes in Bilstain hatten, begab ich mich daran den Kupplungskorb zum zweiten Mal zu demontieren. Beim ersten Mal hatte ich das Handtuch geworfen, als es hieß man müsse mit einer Presse das Kickstarterritzel in den neuen Korb pressen. Beim zweiten Mal hatte ich meinen Kumpel Olli um Hilfe gebeten und hatte somit einen fähigen Mann mit Presse, Drehbank und KnowHow an meiner Seite. Die ersten Arbeitsschritte waren kein Problem und der Kupplungskorb war bald vom Primärantrieb getrennt. Aber beim auspressen des Kickstarterritzels platze der alte Korb regelrecht auseinander. Wir hatten uns verabredet gemeinsam Alt und Neu wieder zusammenzufügen und schritten guter Dinge abends in der Werkstatt zur Tat. Extra angefertigte Drehteile sollten ein sauberes verpressen sicherstellen. Den Korb erhitzen wir, das Ritzel lag auf Eis und wir hatten wohl die beste Presse die man in ganz Dortmund finden kann. Bei vier Tonnen tat sich leider garnichts und bei den vorgeschriebenen acht Tonnen klaffte noch ein riesiger Spalt zwischen den beiden Teilen. Wir erhöhten den Druck langsam und es schien auch alles auf gutem Wege zu sein...bis ein helles Geräusch uns nichts gutes ahnen liess. Bei ca. 25 Tonnen gab es einen Haarriss im Kickstarterritzel FU**! Jetzt hatte ich ein Problem... Zwar war der neue Kupplungskorb nicht kaputt gegangen, aber das wichtige Ritzel welches es bei Yamaha nicht einzeln zu kaufen gibt. Um die 400€ für die japanischen Neuteile auszugeben war natürlich nicht mein dringlichster Wunsch. Hilfe kam wieder aus dem Norden von meinem allwissenden Schraubergott Meik der herausfand, dass von Wiseco der Kupplungkorb mit integriertem Ritzel verkauft wird. Drei Tage später war das Thema Kupplung dann endlich ad acta gelegt und heute lief die WR wieder wie eine Eins!
Zwar bin ich in den vier Wochen zwischen den beiden Ausgaben des Magazins nur zwei Mal zum fahren gekommen, aber dafür war es beide Male super! Bilstain hatte bei Schnee natürlich sein Tücken, mit der 250er und der großen Schwungmasse finde ich gefühlt trotzdem noch recht viel Grip. Am anderen Fahrtag konnte ich mit den neuen Xgrip Reifen und Mousse ebenfalls sehr viel Fahrspaß haben. Auf dem steinigen, schroffen Boden hat mir besonders der neue Vorderreifen mit 100er Breite gefallen. Im Stand fragt man sich fast ob da nicht versehentlich ein Hinterreifen montiert ist so voluminös ist der „Hulkboy“ genannte 21 Zoller. Durch seine große Auflagefläche und ungewöhnliche Höhe kann der Reifen viel Grip und Komfort bieten. Ich bin gespannt wie sich die österreichische Mousse/ Reifen Kombination in anderem Gelände schlägt. Jetzt müsste das Wetter ja langsam wieder mitspielen und das unterbrechungsfreie fahren gen Frühling beginnen!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 10
Im Gegensatz zum Februar war der März endurotechnisch für mich ganz passabel. Klar ist das Wetter weiterhin recht kalt und uneinladend, aber die Yamaha WR ist da nicht besonders feinfühlig. Der Vergaser ist bis auf regelmäßiges Düsen reinigen unangetastet und der Spirt läuft auch bei Minus Graden durch die 178er Haupt-und 50er Leerlaufdüse. Klar magert der Motor ab, wenn man ihn bei geringer Außentemperatur am Hang Feuer gibt, aber lange nicht in einem Bereich wo ich ein umbedüsen notwendig fände. Soviel also zur Feinfühligkeit des Fahrers!
Spannend fand ich wie die Kollegen vom Online Portal Enduro21.com das Bike von Blake Gutzeit vorgestellt haben und was der Pilot darüber so sagen konnte. Es gibt ja nicht gerade viele Leute die eine WR fahren und auf Top Niveau nur Gutzeit und vielleicht seinen Landsmann Flannagan. Die treibende Kraft dahinter scheint der Händler und Sponsor bei den beiden Südafrikanern zu sein, von Seite des Herstellers gibt es sicher keine Ambitionen mehr Engagement im Hardenduro Bereich zu zeigen. Wahrscheinlich ist dafür die Verkaufszahl des Nischenbikes WR 250 zu gering. Zurück zum vorgestellten Bike von Gutzeit: Interessant wie wenig er verändert hat. Die größere 180er Hauptdüse ist sicher seinem Fahrkönnen und Tempo geschuldet. Das originale und ohne Zweifel gute Fahrwerk scheint bis auf andere Federn nicht besonders umgestrickt. Ein weiterer Indiz für ein gutes Grundsetting und vernünftige Abstimmung der Federelemente von Kayaba. Blake hat an seiner blauen auch rundum Bremsscheibenschützer verbaut. Das Moose Racing Teil ist hinten übrigens bei der gesamten Dirtbiker Mannschaft verbaut und überzeugt uns alle! Auspufftechnisch fährt der Semi-Profi eine originale Birne und einen ProCircuit Endschalldämpfer. Bei mir sind von FMF die Gnarly Birne und ein langer Endtopf verbaut. Das Setting habe ich noch vom Erstbesitzer meines Bikes übernommen. Und der wiederum ist der breiten Empfehlung des amerikanischen Marktes gefolgt, wie ich finde absolut zurecht! Was beide Bikes verbaut haben ist eine deutlich größere Schwungmasse. Bei mir sind es über 400 zusätzliche Gramm! Das macht den crosslastigen Motor für den Enduroeinsatz traktionsstärker und viel besser fahrbar. Zuletzt noch ein Blick auf die Übersetzung: Hier ziehe ich den kürzeren denn ich bevorzuge beim 14er Ritzel ein 51er und im Wald eher das 52er Kettenblatt, während der blonde Afrikaner nur 50 Zähne fährt. Soviel in Kürze zum Vergleich der beiden Bikes und mein Fazit: Die Kiste von Blake Gutzeit ist cool, aber meine find ich deutlich schicker und auch wertiger aufgebaut. Wenn es allein danach ginge wäre ich schneller - jaja, die Theorie!
Es gibt mit der Zeit aber eine Sache die mich an der Yamaha beginnt zu stören. Hier sind weder Qualität oder Gewicht, noch Handling oder Optik ansatzweise gemeint. Nein, das alles finde ich auch nach so vielen Stunden super! Es geht mir viel mehr um eine simple Sache: Was zum Teufel hat ein Getriebe mit fünf Gängen in einer Enduro zu suchen? Meine ersten großen Zweifel hatte ich mit dem Getriebe bei den Sixdays zu fahren, aber das geht schon wenn man ein wenig schmerzbefreit auch auf der Etappe die mal über Straße geht laufen lässt. Laut und am Ende des Drehzahlbandes geht es dann zu, aber der Top Speed reicht um keine Strafminuten zu kassieren. Die richtigen Zweifel begannen im Wald. Hier muß ich fast jede lange und schwierige Auffahrt im ersten Gang fahren. Und das trotz der kurzen Übersetzung. Sonst geht dem Motor die Puste aus. Im zweiten Gang der dann zu lang übersetzt ist versuche ich es meist nichtmal mehr, sondern baller mit Maximaldrehzahl im ersten in den Hang. Es kann sich jeder vorstellen wie nervös das Bike dann ist und wie die Lastwechsel dann ausfallen, auch trotz Schwungmasse und dosiertem Kupplungseinsatz! Gedanklich tendiere ich irgendwie zu mehr Kubik. Aber ob ein 300er Kit den Motor und die Leistungsentfaltung besser macht für den Hardenduro Einsatz bei den angepeilten Romaniacs?
Dauertest Sherco SER 300 2018 Teil 1
Im letzen Jahr als ich mich auf die Teilnahme bei den Sixdays in Frankreich vorbereitet habe, war der Plan mit der Yamaha viel MX zu fahren um etwas schneller auf den Sonderprüfungen zu werden. Das hat dann nicht ganz so oft geklappt, obwohl ich das Glück hatte beim MSC Werl als Mitglied aufgenommen zu werden. In diesem Jahr mit noch etwas mehr als zwei Monaten bis zum Romaniacs Start will ich so viel wie möglich fahren und versuche einmal die Woche nach Werl zu kommen. Egal ob MX oder Enduro, denn ich glaube, dass Zeit auf dem Bike grundsätzlich das wichtigste ist und nebenbei natürlich auch das Training was am meisten Spaß macht. Die Yamaha läuft auf der Hartbodenstrecke sehr schön und gibt mir keinen Grund zu klagen. Fahrwerksseitig ist sie mit dem Endurosetting an der Grenze, der Motor hingegen ist so angenehm auch auf der MX-Strecke, dass ich die WR tatsächlich der YZ vorziehe. Nach dem ersten Tag auf der Strecke war ich allerdings schwer ernüchtert und hab gedanklich das crossen aus meiner „Dinge die mir Spaß machen Liste“ gestrichen und crossen nur noch unter Konditionstraining verbucht. Aber siehe da, eine Woche später und mit ganz kleinen Fortschritten kam doch Freude auf und nun heißt es dranbleiben und vielleicht doch Geschmack dran finden! An Werl ist toll, dass dort auch ein hervorrangendes, großes Trialgelände angeschlossen ist und man nicht nur MX fahren kann!
Ähnlich abwechslungsreich, aber noch größer und komfortabler war es im Hoope Park. Ich war dort mit Freunden für ein Wochenende beim sogenannten „Ride for fun“ was ich bisher noch nie gefahren war. Das war eine ziemlich Runde Sache: Bestes Wetter, eine abwechslungsreiche Endurorunde und viele nette Leute! Was mir in Hoope immer besonders gefällt ist die Möglichkeit völlig ohne Stress verschiedenes auszuprobieren. Ich mag die künstlichen Hindernisse dort gern und versuche nach ein paar Runden quasi den Modus zu wechseln und eben direkt zu den Baumstämmen, Reifen etc. zu fahren. Dieser Tempowechsel und die andere Belastung gelang mir mit der Zeit immer besser. Generell finde ich die Yamaha für künstliche Hindernisse sehr gut geeignet. Mit dem geringen Gewicht und der schmalen Bauart ist sie super zu bewegen und verzeiht einige Fehler wo andere Bikes sich schon der Schwerkraft geschlagen geben! In den Hoope Park fahre ich jedenfalls immer gern und das man dort gut trainieren kann zeigt sich ja auch an den vielen richtig schnellen Fahrern aus der Ecke!
Servicearbeiten musste ich an der Yamaha kaum machen. Luftfilter, Getriebeöl und Reifen sind so ziemlich das Einzige was ich anpacken musste in den letzen Wochen. Mein Schalthebel war sehr verschlissen, den hab ich gegen einen neuen getauscht den ich bei SM-Sport geordert hatte. Der Zahnkranz der KITE Fußrasten ist nach vielen Stunden nicht mehr so griffig und den habe ich durch den original beiliegenden Ersatz getauscht. Entgegen meiner Befürchtungen musste ich keine der vier kleinen Befestigungsschrauben ausbohren, sondern alle liessen sich gut lösen. Beim gezahnten Edelstahlkranz musste ich etwas gröber mit der Zange anpacken um ihn auszubauen. Der Einsatz der neuen Teile war gut machbar und so kann man die Rasten wirklich über sehr lange Zeit fahren ohne je schlechten Grip an den Stiefelsohlen zu haben.
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 12
Mit der Yamaha WR 250 bin ich jetzt ein ganzes Jahr unterwegs gewesen. In einem sehr breiten Einsatzgebiet hatte ich eine große Menge Spaß mit der seltenen Maschine. Begonnen hat es mit einem herrlichen Enduro Urlaub in Rumänien und natürlich jeder Menge technischem, anspruchsvollem Enduro. Danach ging es direkt in die Vorbereitung zu den Sixdays in Frankreich und daher kam auch die Konzentration auf schnelleres Endurofahren und gelegentlicher Einsatz beim Motocross. Im Anschluss an die Strapazen bei den ISDE bin ich noch einige Rennen gefahren um dann bis heute eher wieder in Geländen wie Bilstain und Co. unterwegs zu sein.
Hardenduro, klassisches Enduro und Motocross mit einem Bike, das hört sich an als ob ich die Eierlegendewollmilchsau gefunden hätte. So würde ich das aber nicht sagen wollen. Klar, kann die Yamaha eine Menge wirklich gut. Sie ist extrem fahrstabil ohne dabei unhandlich zu sein, im Gegenteil, durch das geringe Gewicht ist sie spielerisch zu bewegen und auch in so mancher Schieflage noch zu halten anstatt zu Boden zu gehen. Auch das originale Kayaba Fahrwerk ist sehr schön abgestimmt und arbeitet ohne viele Wünsche offen zu lassen. Ein Lob geht an Björn den Vorbesitzer denn der hat die WR mit großer 400 Gramm Schwungmasse, Gnarly Birne und langem FMF Dämpfer für meinen Geschmack super dosier- und fahrbar gemacht. Aber es gibt auch die Kehrseite der Medallie und da fällt auf, dass man in Japan doch einen waschechten Crosser zur Enduro umgestrickt hat.
Zuerst: Fünf Gänge serviert zu bekommen ist sicher etwas Tolles. Also in einem Restaurant meine ich, aber nie und nimmer in einer Sportenduro! Eigentlich ist das der größte Kritikpunkt den ich habe, denn das nimmt dem Moped etwas die Vielseitigkeit. Man kann auf Etappe im fünften Gang fahren, aber da muss man sich schon ein Herz nehmen und ans Drehzahlende gehen. Deutlich störender ist es die meisten Auffahrten im ersten Gang zu fahren weil der zweite wiederum zu lang ist. Und das trotz bereits kurzer Übersetzung von 14/52. Man könnte vorne das Ritzel auf 13 Zähne verkleinern, nur ist dann eben schon schnell die Maximaldrehzahl erreicht was sicher nicht für den Endurobetrieb passend ist. Hier fehlt einfach der sechste Gang der vermutlich aus Platzgründen nicht im Motorgehäuse verbaut ist. Bleibt man beim Negativen und geht ins Detail fällt der Luftfilter auf. Zum Tauschen muss man die Sitzbank mit zwei Schrauben abnehmen um dann die Flügelmutter der Befestigung abzudrehen. Nimmt man den Luftfilter unvorsichtig nach oben heraus ist das Risiko groß, dass Schmutz in den Ansaugtrakt fällt welcher dann wegen der schlechten Erreichbarkeit suboptimal zu entfernen ist. Gerade wenn es eilig zugeht, wie in den 15 Minuten Servicezeit nach einem Sixdays Tag, ist das sehr nervig und riskant. Ebenfalls nicht ideal ist die Tankbefestigung wenn Kühlerschützer verbaut sind, es kann bei der Montage schon recht hakelig sein die beiden Schrauben am Rahmen passend zu versenken. Nicht überzeugend sind auch die unterdimensionierten Radlager der originalen Felgen. Schon nach kurzer Zeit musste ich diese erneuern und habe in dem Zuge in andere Felgen von SM Pro mit Kite Naben investiert, womit das Thema Haltbarkeit dann erledigt war da diese unverwüstlich scheinen und nie Aufmerksamkeit bedurften.
Was ich ansich positiv finde ist die minimale Elektrik. Zwar hat mich diese bei der Abnahme in Frankreich einigen Schweiß gekostet, weil die Lichtmaschine so klein dimensioniert ist, dass nur ein Led-Bremslicht aber keine altmodische Birne leuchtet was ich erst vor Ort herausfand, aber sie ist daher auch sehr übersichtlich. Weiter mit den positiven Dingen: super gefällt mir der Alurahmen da er robust ist und keine Farbe verlieren kann. Das finde ich persönlich besser als einen beschichteten Stahlrahmen der in Gebrauch weniger würdig altert. Robust wie der Rahmen ist der Motor. Hier hatte ich nur eine Baustelle mit dem Kupplungskorb die mich geärgert hat und das hat sicher auch mit meinen begrenzten Schrauberfähigkeiten zu tun. Bis auf regelmäßigen Ölwechsel mit günstigem ATF und zwei neuen Kolben war nix zu machen am Motor. Der Zylinder hat noch seine erste Beschichtung und ist nur beim Kolbentausch beide Male vorher durchgehont worden. Auch das Getriebe ist unangetastet bei bester Funktion. Absolut das beste Zubehörteil was ich verbaut habe ist die hydraulische „Hymec“ Kupplung von Magura. Mit dem Seilzug bleibt selbst bei der besten Armatur das Problem des sich verschiebenden Druckpunktes bestehen. Unter Volllast in einer Auffahrt die Kupplung nicht mehr sauber trennen zu können endet zumeist im Crash oder zumindest in heikler Fahrweise. Mit der Hymec ist das Problem verschwunden und die Kupplung stets sauber und leicht mit einem Finger bedienbar. Gute Dienste hat an meiner Yamaha wie auch vorher bereits bei der Beta der hintere Bremsscheibenschutz von Moose Racing erwiesen. Vorne hatte ich einen einfachen Plastikschutz von Cycra verbaut welcher ebenfalls nicht schlecht, aber dessen Schutzwirkung etwas geringer ist. Super Halt auf Rasten und Bremshebel boten die Kite Rasten und der Bremsauftritt mit Madenschrauben. Da sehe ich die originalen Teile deutlich hinter denen aus dem Zubehör. Beim Thema Grip ist mein Favorit für die Sitzbank der Pyramide Bezug von Blackbird der einem echt die Hose auszieht anfangs. Zugegeben nach vielen Stunden ist der Grip etwas weniger geworden, aber der robuste Bezug hat gut alle Strapazen ausgehalten. Am deutlichsten belegt mein positives Fazit wohl, dass ich plane die WR zu behalten und nicht nach dem Dauertest und dem Wechsel zu Sherco zu verkaufen. Die Yamaha ist sicher sehr speziell und nicht die modernste Maschine, aber sie kann richtig viel und das sehr zuverlässig. Mit dem geringen Gewicht und der großen Robustheit habe ich im Gelände wenig Sorgen gehabt und in der Garage verhältnismäßig wenig Arbeit. Im übrigen höre ich noch die Stimmen die alle sagten: ohne Kickstarter wirst du nicht glücklich! Kann ich nicht bestätigen, denn auch nach hunderten Kicks hat es mich nie gestört keinen Estarter zu haben. Das der komplett fehlt trägt nämlich auch zur Unkompliziertheit bei!
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 13
Zurück im etwas ausgesessenen Sattel meiner Yamaha geht es direkt auf eine richtig große Runde durch das Jerichower Land. Nach einem knappen halben Jahr auf der 300er Sherco benötige ich ehrlich gesagt eine gewisse Eingewöhnungszeit. Die Yamaha ist irgendwie rappeliger und härter, dafür schmaler und definitiv leichter. Gerade wenn es eng wird, oder man das Moped hocheben muss viel angenehmer für mich. Aber es fielen mir auf der Sherco ein paar Dinge leichter wie etwa lange Auffahrten, oder künstliche Hindernisse. Da hilft der 300er Motor und die leichte (wenn auch mit Midwest Hebel modifizierte) Kupplung.
Aber die Entscheidung zurück auf die Blaue aus Japan zu steigen war frei gewählt und keine Entscheidung der Vernunft, sondern eine emotionale. Denn wenn man sich an den Charakter der Yamaha gewöhnt hat, kann man irre viel Spaß mit dem handlichen und trotzdem stabilen Bike haben.
Eben genau das hat das Rennen vor den Toren Hannovers auch gebracht. Ich bin zwar nach etwas über zwei Stunden kläglich mit Krämpfen ausgeschieden, aber bis dahin hatte ich richtig Freude beim fahren. Für solche Rennen liefert der 250er Motor Leistung satt ohne den Fahrer dauernd zu stressen. Und in den sandigen Passagen gefällt mir die Spurtreue genau wie im engen Wald das geringe Gewicht passt.
Während der Zeit in der ich Sherco gefahren habe, hatte ich gebraucht Teile für die Yamaha gekauft und so war mir eine Boysen Wasserpumpe über den Weg gelaufen. Von BUD habe ich einen Zylinderkopf erstanden und zu beiden Teilen kann ich ein klares Urteil fällen: Man braucht sie nicht, aber es schadet sicher nicht. Thermische Probleme hatte ich trotz des kleinen Kühlkreislaufs und des ursprünglich für MX Einsatz konstruierten Motors nie. Mehr Leistung kann ich durch den Zylinderkopf nicht feststellen und eine optimierte Kühlwirkung fällt mir bisher ebenso nicht auf. Wie gesagt kocht die 250er nur nach langer unsittlicher Behandlung.
Mit Kühlwasserverlust hatte ich dennoch zu kämpfen und blieb zuletzt mit klingelndem Motor stehen um fast einen dreiviertel Liter Wasser nachzufüllen. Am rechten Kühler liegt die FMF Gnarly Birne schon lange etwas an und mit der Zeit hat sich hier ein kleines Loch gebildet. Zum Glück hatte ich vor Kurzem einen etwas verbogenen Reserve Kühler auf Verdacht gekauft und konnte so die Zeit überbrücken in der mein Kumpel Meik den anderen Kühler reparierte. Eher als aus Vorsicht und Verdacht hatte ich beim ZAH_Racing noch Samco Kühlerschläuche gekauft und verbaut. Diese passen gut und sind optisch in Blau auch ansprechend.
Renntechnisch ist die Saison ja fast gelaufen und ich überlege noch ob ich mir zum ersten Mal das Nikolausenduro im Hoope Park antun soll. Fahren tue ich gern auf der Strecke, nur kann das immer je nach Wetterlage in eine ziemliche Sauerei ausarten.
In Grevenbroich beim 4h Enduro werde ich wohl wieder mit meinem Bruder an den Start gehen. Das ist ein großer Pluspunkt für die WR: Man kann damit ohne Abstriche auch Moto Cross fahren!
Für die Zukunft habe ich auch schon ein paar Ideen was ich mit der Yamaha anstelle damit es nicht langweilig wird. Mehr dazu im kommenden Heft.
Dauertest Yamaha WR 250 2015 Teil 14
Letztes Rennen für 2018
Für die Vorbereitung auf das Rennen in Grevenbroich habe ich nicht allzuviel Zeit in der Gargage investieren müssen. In den Monaten vorher, in denen ich mit der Sherco unterwegs war, hatte ich Schritt für Schritt die Servicearbeiten an der WR erledigt. So sind nun also frische Bremsflüssigkeit und neues ATF Getriebeöl, sowieso ein sauberer Funnelweb Luftfilter an Bord. Dadurch, dass ich einen undichten Kühler hatte den ich tauschen musste, weil er an der Auspuffbirne durchgeschliffen war, habe ich sogar neue Kühlflüssigkeit im Kreislauf. Sonst sehe ich die auch eher als Lebensfüllung und tue nur etwas neue Flüssigkeit rein wenn der Kühler mal übergekocht ist. Stimmt im Falle der Yamaha nicht ganz, denn beim Umbau der originalen Wasserpumpe gegen das Teil von Boyesen musste ich natürlich auch allen Frostschutz ablassen und hatte ihn erneuert. Bei der Hymec Kupplung von Magura habe ich bisher noch keine Flüssigkeit gewechselt. Zwar ist das Öl, oder wie es in diesem Falle heißt das „magura blood“ schon etwas verfärbt, aber der Druckpunkt ist noch gut. Vor einem Rennen habe ich keine Lust das zu tauschen denn das Restrisiko die Leitung nicht zu 100% entlüftet zu bekommen ist doch vorhanden und dann steht man im Rennen blöd da. Das mache ich lieber mal wenn ich keinen Zeitdruck und anstehenden Rennstress habe.
An anderer Stelle war ich aktiver: Von den Swazi Cowboys habe ich zum testen die zweite Generation vom Tubliss System bekommen und verbaut. Details zum Tubliss könnt ihr in einer der kommenden Ausgaben lesen. An dieser Stelle nur soviel: Ich find es super und der Reifenwechsel ist ein Kinderspiel. So habe ich bei drei Fahrten an den Wochenenden jedes Mal den Hinterreifen getauscht um möglicht den besten Reifen für den jeweiligen Tag zu fahren. Für Grevenbroich hab ich den günstigen Mitas C10 gekauft und jetzt aufgezogen. Das is ein Enduroreifen mit recht großem Stollenabstand und sehr linearem Profil was für den erwarteten tiefen Sand der Strecke im Jackerather Tagebau gut funktioniert hat. Mit 0.8 bar Druck hat es an Traktion nicht gemangelt und so hatte ich zumindest technisch gute Vorraussetzungen durch den Sand der Strecke zu kommen. Vorne fahre ich einen Michelin Enduro Reifen mit Mousse von Michelin wo ich denke, dass dieser auch bei weichem Boden gut passt.
Beim vier Stunden Rennen in Grevenbroich von Enduro zu sprechen ist eigentlich falsch. Es handelt sich um vierstündiges Motocross Rennen über eine lange Distanz auf einer modifizierten Cross Strecke. Schon nach dem Start waren meine Yamaha ob des nassen, tiefen Bodens in eine kräftige Fangopackung gehüllt. Etwa nach Rennhälfte klingelte und klapperte der 250er Motor so extrem, dass ich angehalten habe und das Bike zum Auto gerollt habe. Ich war sicher die zuverlässige Yamaha doch mal an ihr Lebensende geführt zu haben. Als der Motor etwas kälter war versuchte ich noch eine Runde zu fahren und fuhr einen Gang höher und siehe da, die Geräusche waren fast verschwunden. Nachdem Andreas Herresthal mich auf meine völlig zugesetzten Kühler hingewiesen hatte war die Ursache für den überhitzten Motor schnell gefunden!
Jetzt steht eine mehr als intensive Wäsche auf dem Plan und dann werde ich in Ruhe eine Durchsicht machen und sehe was zu tauschen ist. Mein Kettensatz hat immerhin schon die Sixdays im letzen Jahr komplett erlebt und könnte auch sonst von diversen Tortouren berichten. Schwingen- und Umlenkungslager sind auch die originalen, ganz abgesehen vom noch unangetasteten Motor. In diesem sorgt zwar der Dritte Kolben für Vortrieb der gesamte Rest wurde in Japan so zusammengebaut und kennt kein Tageslicht. Die Qualität der Yamaha WR ist wirklich überzeugend!


































