Sherco SE-R 300 Racing 2018
In der monatlichen Ausgabe des DirtBikerMagazines erscheint unter anderem der Dauertest meiner aktuellen Sherco
Hier auf dem Blog werde ich die Texte parallel veröffentlichen und etwas mehr Fotomaterial einbinden.
Dauertest Sherco SER 300 Teil 1
Auf geht es in eine neue Runde vom Dauertest! Nach der 300er Beta RR und der sehr individuellen und speziellen Yamaha WR 250 kommt nun eine Sherco mit 300ccm und natuerlich zwei Takten monatlich an dieser Stelle im Heft vor.
Bisher hatte ich wenig bis keine Beruehrungspunkte mit der franzoesischen Marke die in meiner Gegend wenig praesent ist. Trotzdem reizte mich die 300er allein schon wegen der Optik und dem gewissen Exotenstatus schon laenger. Nach einem Jahr und 12 Berichten ueber die WR 250 hatte ich das Gefuehl wieder eine 300er mit vernuenftigen sechs Gaengen bewegen zu muessen, vor allem mit Ausblick auf die anstehende Romaniacs Teilnahme im Juli.
Ueber den neuen Deutschlandimporteur Jochen Bader Motorsport und die Sherco Academy vom Macus Kehr gab es dann die Moeglichkeit eine 300er Racing zu fairen Konditionen zu kaufen. Passenderweise war Busty zum Testen der aktuellen Factory Modelle der 125 und 300ccm Maschinen ohnehin in Floeha und konnte die 2018er Racing Version im Bus gleich mitnehmen. Die Maschine ist einen DM Lauf in Tucheim gelaufen und Marcus Kehr hat die Kurbelwelle fuer den Renneinsatz feingewuchtet. Ansonsten steht die blaue Franzoesin komplett im Originalzustand da.
Fuer die erste Fahrt hatte ich die originale Michelin FIM Bereifung gegen X-Grip Hulkyboy vorn und den soften Super Enduro Hinterreifen mit Mousse getauscht. Hebel einstellen, tanken und ab ins Gelaende. Der Wechsel von Yamaha mit nur Kickstart zu Sherco aussschliesslich mit Estart ist eine simple Umstellung und eher im Kopf schwierig. Die Sorge, dass doch irgendwann die Batterie schlappmacht oder der Anlasser durchrutscht faehrt bei mir einfach mit. Bisher unbegruendet denn das Bike startet sauber, wenn auch mit eingelegtem Gang etwas unwilliger. Gefallen tut die gute Serienausstattung die mit hochwertigen Teilen keine Scheu vor der Konkurrenz haben muss. Brembo Bremsanlage und Kupplungspumpe (leider eine mit 10er Kolben und entsprechend harter Betaetigung), Fahrwerk von WP, schwarze Gabelbruecken gefraest und Felgen von Excel sind den Mitbewerbern ebenbuertig. Der transparente 10,5 Liter Tank und die FMF Gnarlx Birne treffen ebenso meinen Geschmack. Ungewoehnlich aber vielleicht praxisgerecht ist der Ausgleichbehaelter fuer die Kuehlfluessigkeit der im hinteren Radkasten verbaut ist. Praxisungerecht ist die Ausfuehrung des Startvorganges was aber mit dem Factory Modell jetzt Geschichte ist. Beschreiben moechte ich es trotzdem, da es an meinem Modell noch verbaut ist. Es gibt einen Kippschalter mit dem man das Motorrad einschaltet, die elektrische Auslassteuerung und das Licht sind dann unter Strom. Ein am Gasgriff angebrachter Staterknopf liegt gut erreichbar an der Fahrerhand. Es gibt einen Killschalter integriert am grossen Kombischalter fuer Licht und Blinker etc. Schaltet man den Motor nun so, oder durch das Kommenlassen der Kupplung aus und stellt das Bike in die Garage bis zur naechsten Woche wird man eine Uerberraschung erleben. Man muss naemlich den Kippschalter ebenfalls umlegen um die Verbraucher zu deaktivieren, sonst wird die Batterie stetig belastet bis sie eben leer ist. Ich finde das System schwer nachvollziehbar und unnoetig riskant, zumal ja eben kein Kickstarter als Notloesung vorhanden ist. Nach Ausfahrt Nummer eins habe ich den Kombischlater demontiert und schalte somit die Sherco ueber den Kippschalter ab, hoffentlich immer denn sonst mache ich irgendwann ein langes Gesicht.
Die Fahreindruecke und die Freude trueben solche Dinge zum Gluck nicht. Und hier kann die Sherco richtig Freude machen! Der Motor entwickelt seine Leistung ultrasanft und extrem fein dosierbar. Auch die Kupplung ist feinfuehlig zu dosieren und quittiert auch ueble Strapazen nicht mit quietschen oder rupfen. Bei der originalen Uebersetzung von 14-49 muss man sehr viel kuppeln, da diese doch deutlich zu lang ausgelegt ist wenn man etwas langsamer unterwegs ist. Gefallen tut mir die Geraueschentwicklung da bis zum Teillastbereich fast nichts zu hoeren ist und man so sehr unauffaellig und ruhig unterwegs sein kann. Unter voller Last hoert man der Sherco dann aber schon ihre Power an was ich durchaus gut finde. Bei der Sitzbank hat man eine gute Wahl zwischen Komfort und sportlicher Haerte gefunden was langen Endurotagen sehr entgegen kommen sollte.
Nach einem Tag Enduro ging es zwei Mal nach Werl auf die Motocrossstrecke. Hier hatte ich grosse Zweifel ob des Fahrwerks die aber schon nach Runde eins ad acta gelegt wurden. Mit der externen Federvorspannung und den Einstellern von Druck- und Zugstufe lassen sich die WP Komponenten mit den im Handbuch beschriebenen Settings super breit verstellen. ich wage zu behaupten, dass dieses Fahrwerk eines der besten WP Serienfahrwerke ist, zumindest kenne ich kein Besseres. Vom Handling ist die Sherco stabil und sicher . Mit dem riesigen Hulkyboy 100er Vorderreifen ist aber die Kurvenagilitaet und Schraeglagenwilligkeit deutlich eingeschraenkt. Der Reifen hat andere Vorteile ist beim MX aber sicher nicht die bevorzugte Wahl.
Vor meinem Rumaenienurlaub bei Emy habe ich den Vergaser noch umbeduest, da der Motor bei langen Haengen doch deutich zu mager lief. Eine 40er Leerlaufduese und die N8RG Nadel auf viertem Clip scheinen schon deutlich besser zu funktioniere, ohne dass Oel am schoen designten Endschalldaempfer lauft. Weniger schoen ist die Demontage des Tanks denn dabei bleibt man immer am mittig positieronierten Benzinhahn haengen und muss ganz ordentlich fummeln wenn man den Benzinschlauch spaeter wieder am Tank befestigen will. Auch der Kabelbaum ist sehr sperrig und gross, der mitgelieferte Racingkabelbaum beseitigt das Problem aber in weiten Teilen. Abschliessen will ich meine ersten Erfahrungen aber mit etwas positiven, naemlich dem Mappingschalter. Unter dem Starterknopf ist ein Schalter mit dem man zwei Modi einstellen kann. Auf soft geht der Motor so dermassen entspannt und ruhig zu Werke dass es eine Freude ist! Waehrend der Fahrt kann man easy umstellen und die Leistung spontaner und voll abrufen. Eine sehr gute Loesung die ich noch viel nutzen werde!
Ich freue mich auf die Erfahrungen und bin mehr als gespannt wie sich die Sherco auf Dauer so schlaegt.
Dauertest Sherco SER 300 Teil 2
Mit der Sherco habe ich viel erlebt und ausgetestet im vergangenen Monat. Was ein erster „Kulturschock“ bezüglich des Schraubens war, ist schnell abgeklungen. Wenn man mit einer Marke nicht vertraut ist, ist es umso wichtiger einen fähigen und erfahrenen Händler zu haben den man auch auf kurzem Dienstweg erreicht. Ich hatte einige Fragen und brauchte Tipps die mir Marcus Kehr direkt beantworten oder geben konnte. Auch die Teileversorgung ist problemlos und schnell mit der Post bei mir in Dortmund aus dem weit entfernten Flöha angekommen.
Vor meinem Trip zu Emy nach Rumänien hatte ich ein paar Dinge die ich zwingend haben wollte. Meine persönliche Nummer Eins was Hardenduro Parts angeht ist Dowatek und die Spezialisten aus dem Süden haben auch für Sherco einiges im Programm. Wegen der Umlenkung galt es einen Motorschutz zu kaufen der auch eine Verlängerung für die empfindlichen und exponierten Hebel und Lager hat. Der Schutz ist zudem noch seitlich gut hochgezogen und lässt sich leicht montieren. Zum Ölwechsel reicht es eine Schraube zu lösen und die Bodenplatte etwas abzusenken, praktisch finde ich. Seitlich sind die Kupplungs- und Zündungsdeckel mit passgenauen Kunststoffprotektoren von Dowatek geschützt. Leider bekommt man die Dowatek Kühlerschützer nicht für Sherco und so habe ich bei Marcus Kehr welche von ZAP gekauft die soweit ganz okay zu sein scheinen. Für fast alle anderen Teile für egal welches Motorrad ist Parts Europe die Bezugsquelle der Wahl! Hier habe ich von Mooseracing den mit „bulletproof“ passend bezeichneten Bremsscheibenschutz für hinten bekommen der bisher an allen meinen Bikes hatte. Ebenfalls gut sind die sehr griffigen SCAR Rasten welche die Originalen und recht stumpfen Teile ersetzen. Von SCAR kommt auch der Flexhebel an der Kupplung der auch die Bedienkraft der 10er Brembo Kupplungspumpe verbessert. Lenkerendkappen von Moose verhindern das ewige aufschlagen der Griffgummis. Ganz schön viele Teile wenn man das so auf einmal zusammenschreibt. In der Praxis sind aber alle eine Verbesserung für meine Idee von Enduro und dem dazu passenden Bike.
Womit ich lange rumexperimentiert hab ist die passende Übersetzung. Start war das originale Verhältniss von 14 zu 49 Zähnen und definitiv zu lang für mich. Auf ein 13er Ritzel war bald gewechselt, wobei die Befestigungsschraube samt Sicherungsblech das ganze unnötig verkompliziert bei Sherco. In Rumänien hatte ich auf 13 zu 50 gewechselt was mir aber noch immer etwas zu lang war. Bei der letzten Fahrt hatte ich ein 52er Stahl Kettenrad verbaut und jetzt ist die Übersetztung ultrakurz und vielleicht schon zu extrem. Mal sehen wie ich damit zurecht komme, aber jetzt hab ich ja alles da um zu tauschen.
Ein wenig experimentieren muss ich noch beim Vergasersetting was unter Last zu mager ist. Hier werd ich nochmal fetter bedüsen und eine 40er Leerlaufdüse samt 175er Hauptdüse einbauen und die Nadel dafür wieder mittig hängen. Thermisch stabil ist die Sherco ziemlich lange und dank des Ausgleichbehälters verliert man nicht alles Wasser, darf aber trotzdem das Nachfüllen nicht komplett vergessen!
Ein Thema musste ich für mich noch lösen und das war die oben bereits angesprochene Kupplungspumpe. Für Wade Young und Matthew Phillips mag das passen, aber ich brauche eine leichter zu bedienende Kupplung und habe eine 9er Pumpe gekauft die sich leichter ziehen lässt.
Werksmäßig ist meine Luftfilterwahl: Funnelweb. Spätestens seit den ersten Tagen bei den Sixdays in Frankreich weiß ich diese Filter zu schätzen. Wenn der Serienfilter längst dicht ist, kommt durch den Funnelweb mit seinen Pyramiden noch Luft. Das spart nicht nur Zeit sondern auch Nerven. Filtertausch geht an der Sherco nicht in den absoluten Spaßbereich...
Ziemlich viel Technik in diesem Bericht, aber Fahreindrücke kommen nächste Runde dafür umsomehr. Plan ist ja die Teilnahme an den Romaniacs Ende Juli und da gibt es üblicherweise alles geboten was man sich vorstellen kann.
Dauertest Sherco SER 300 Teil 2
Mit der Sherco habe ich viel erlebt und ausgetestet im vergangenen Monat. Was ein erster „Kulturschock“ bezüglich des Schraubens war, ist schnell abgeklungen. Wenn man mit einer Marke nicht vertraut ist, ist es umso wichtiger einen fähigen und erfahrenen Händler zu haben den man auch auf kurzem Dienstweg erreicht. Ich hatte einige Fragen und brauchte Tipps die mir Marcus Kehr direkt beantworten oder geben konnte. Auch die Teileversorgung ist problemlos und schnell mit der Post bei mir in Dortmund aus dem weit entfernten Flöha angekommen.
Vor meinem Trip zu Emy nach Rumänien hatte ich ein paar Dinge die ich zwingend haben wollte. Meine persönliche Nummer Eins was Hardenduro Parts angeht ist Dowatek und die Spezialisten aus dem Süden haben auch für Sherco einiges im Programm. Wegen der Umlenkung galt es einen Motorschutz zu kaufen der auch eine Verlängerung für die empfindlichen und exponierten Hebel und Lager hat. Der Schutz ist zudem noch seitlich gut hochgezogen und lässt sich leicht montieren. Zum Ölwechsel reicht es eine Schraube zu lösen und die Bodenplatte etwas abzusenken, praktisch finde ich. Seitlich sind die Kupplungs- und Zündungsdeckel mit passgenauen Kunststoffprotektoren von Dowatek geschützt. Leider bekommt man die Dowatek Kühlerschützer nicht für Sherco und so habe ich bei Marcus Kehr welche von ZAP gekauft die soweit ganz okay zu sein scheinen. Für fast alle anderen Teile für egal welches Motorrad ist Parts Europe die Bezugsquelle der Wahl! Hier habe ich von Mooseracing den mit „bulletproof“ passend bezeichneten Bremsscheibenschutz für hinten bekommen der bisher an allen meinen Bikes hatte. Ebenfalls gut sind die sehr griffigen SCAR Rasten welche die Originalen und recht stumpfen Teile ersetzen. Von SCAR kommt auch der Flexhebel an der Kupplung der auch die Bedienkraft der 10er Brembo Kupplungspumpe verbessert. Lenkerendkappen von Moose verhindern das ewige aufschlagen der Griffgummis. Ganz schön viele Teile wenn man das so auf einmal zusammenschreibt. In der Praxis sind aber alle eine Verbesserung für meine Idee von Enduro und dem dazu passenden Bike.
Womit ich lange rumexperimentiert hab ist die passende Übersetzung. Start war das originale Verhältniss von 14 zu 49 Zähnen und definitiv zu lang für mich. Auf ein 13er Ritzel war bald gewechselt, wobei die Befestigungsschraube samt Sicherungsblech das ganze unnötig verkompliziert bei Sherco. In Rumänien hatte ich auf 13 zu 50 gewechselt was mir aber noch immer etwas zu lang war. Bei der letzten Fahrt hatte ich ein 52er Stahl Kettenrad verbaut und jetzt ist die Übersetztung ultrakurz und vielleicht schon zu extrem. Mal sehen wie ich damit zurecht komme, aber jetzt hab ich ja alles da um zu tauschen.
Ein wenig experimentieren muss ich noch beim Vergasersetting was unter Last zu mager ist. Hier werd ich nochmal fetter bedüsen und eine 40er Leerlaufdüse samt 175er Hauptdüse einbauen und die Nadel dafür wieder mittig hängen. Thermisch stabil ist die Sherco ziemlich lange und dank des Ausgleichbehälters verliert man nicht alles Wasser, darf aber trotzdem das Nachfüllen nicht komplett vergessen!
Ein Thema musste ich für mich noch lösen und das war die oben bereits angesprochene Kupplungspumpe. Für Wade Young und Matthew Phillips mag das passen, aber ich brauche eine leichter zu bedienende Kupplung und habe eine 9er Pumpe gekauft die sich leichter ziehen lässt.
Werksmäßig ist meine Luftfilterwahl: Funnelweb. Spätestens seit den ersten Tagen bei den Sixdays in Frankreich weiß ich diese Filter zu schätzen. Wenn der Serienfilter längst dicht ist, kommt durch den Funnelweb mit seinen Pyramiden noch Luft. Das spart nicht nur Zeit sondern auch Nerven. Filtertausch geht an der Sherco nicht in den absoluten Spaßbereich...
Ziemlich viel Technik in diesem Bericht, aber Fahreindrücke kommen nächste Runde dafür umsomehr. Plan ist ja die Teilnahme an den Romaniacs Ende Juli und da gibt es üblicherweise alles geboten was man sich vorstellen kann.
Dauertest Sherco SER 300 Teil 3
Im dritten Teil des Dauertests ging es für die Sherco durch die Feuerprobe! Es standen die RedBull Romaniacs an und dafür hatte ich den vergangenen Monaten das französische Bike ja gezielt vorbereitet und entsprechend “geschützt”.
Im Vorfeld des acht tägigen Rumänien Trips hatte ich noch etwas Sorge, dass die Sherco Probleme macht. Ich musste nämlich die Bedüsung immer fetter machen, obwohl das Wetter ja auch immer wärmer wurde. Eigentlich ein komisches Phänomen denn nach Lehrbuch geht es ja genau andersrum je wärmer es wird, desto magerer kann man bedüsen. Aber mit der 175er Hauptdüse und der dicken 42er Leerlaufdüse und Nadel auf mittiger Position scheine ich nun passend aufgestellt zu sein und das Problem des Nachlaufens ist fast komplett erledigt. Eine defekte Zündkerze ärgerte mich am letzen Fahrtag vor den Romaniacs, ansonsten gab es keine Auffälligkeiten.
In der heimischen Garage zog ich vorne den breiten 90/100er Metzeler six days extreme Reifen samt dazugehörigem Mousse auf, montierte hinten ein weiches Metzeler 19 Zoll Mousse mit dem super soften Six days 140er Hinterreifen. Neue Bremsbeläge vorne und hinten, frisches ATF Getriebeöl und ein Funnelweb Luftfilter – fertig waren meine Romaniacs Vorbereitungen! Stimmt nicht ganz, denn im letzen Moment bekam ich noch ein Paket aus Barcelona. Ich hatte bei www.eu-ride.com dem europäischen Importeur von Midwest Mountain Engineering Hebeln noch Brems- und Kupplungshebel bestellt. Und der sehr freundliche und deutsch sprechende Chef Jorge hatte die feinen Teile direkt verschickt, so dass ich diese noch vorm Reisestart verbauen konnte. Die Teile sind super und ich hatte die vor vielen Ausgaben auch mal im Speedcheck vorgestellt. Bedienkraft und Komfort der breiten und kurzen Hebel sind phänomenal. Nach all den Stunden auf der Sherco bei den Romaniacs habe ich nichtmal eine kleine Blase am Kupplungsfinger bekommen!
Auch die Hebelkraft am Bremshebel ist geringer was bei den episch langen Abfahrten in den Karparten sehr angenehm und kraftschonend ist. Kleine Randnotiz für alle die keine geschlossenen Handschützer fahren: Durch die geringe Länge ist es fast unmöglich die MME Hebel beim Sturz abzubrechen!
Während der fünf Fahrtage bei den Romaniacs passierte ein mittleres Wunder: Mein Kumpel und Mechaniker David und ich hatten einfach NIX zu tun an der Sherco. Das einzige was wir (ok, eigentlich David) gemacht haben war Reifenwechseln. Sonst lagen einfach keine Arbeiten an. Weder das Antriebsritzel, noch Bremsbeläge oder anderes war zu tauschen. Was uns aber etwas Sorgen bereitet waren die SCAR Fußrasten aus Alu. Die haben zwar super Grip, aber sind nach den Romaniacs völlig ausgeschlagen und wackeln wie der sprichwörtliche Lämmerschwanz. Hier muss ich mich nach einem guten Ersatz umsehen, die originalen Rasten sind mir zu glatt und diese möchte ich eigentlich nicht fahren. Eine neue Birne müsste ich wohl auch zeitnah besorgen, denn mein Exemplar habe ich kräftig malträtiert...
Eine Kleinigkeit ist der Wipp-Killschalter. Man kommt an diesen versehentlich öfter mal dran, da dieser ja am Lenker montiert ist. Im Prolog kann sowas schonmal richtig Nerven und Zeit kosten. Hierfür gibt es aber Abhilfe in Form eines Halters der direkt hinter dem Lenkkopf sitzt. Es besteht so nicht mehr die Gefahr den Motor versehtlich abzuschalten. Eine clevere und noch dazu gut ausgeführte, optisch gefällige Idee von Florian Kirchmayer (www.fkdynamics.com).
Spannend ist ja immer das thermische Verhalten bei solchen Hardenduro Einsätzen. Markus Kehr hätte einen Lüfter im Angebot, aber ich hab mich dagegen entschieden weil ich das Bike möglichst simpel haben möchte. Ich will jetzt nicht schreiben, dass ein Lüfter an der Sherco keine Existenzberechtigung hätte, aber es geht definitiv auch ohne. Durch die fette Bedüsung und den Expansionsbehälter am Heck kann meine Sherco schon einige Belastung vertragen ohne den Aggregatzustand des Kühlwasser auffälig zu ändern. Lediglich nach Tag 2 haben wir 400ml Flüssigkeit auffüllen müssen.
Auf der Seite des Verbrauchs hatte ich auf Grund der großen Düsen gedacht, dass es knapp werden könnte zwischen den Tankpunkten beim Rennen. Es ist aber nicht ansatzweise ein Thema geworden und mehr als fünf Liter (eine rumänische Plastikwasserflasche) hab ich nie nachgetankt.
Alles positiv also was ich so von meinem französischen Bike berichten kann. Sogar das komplett serienmäßige WP Fahrwerk funktioniert für mich sehr gut. 2014 bin ich mit gemachtem Fahrwerk in meiner 300er Beta Romaniacs gefahren und 2016 mit einem kompletten Sölva Fahrwerk – beide habe ich nicht vermisst in diesem Jahr.
Aber einen Kritikpunkt muss ich doch anbringen und der stört mich sehr. Es ist das hohe Gewicht. Ich bin da ziemlich empfindlich und durch meine Yamaha WR250 auch verwöhnt. Die Sherco ist mir echt etwas schwer, gerade in Bergabpassagen fällt das auf, auch im Prolog und beim Umheben ist das Gewicht ein Faktor der mich immer ärgert.
Dauertest Sherco SER 300 Teil 4
Ein Monat ist es nun schon her, dass die Sherco und ich uns durch die Karparten gequält haben. So richtig viel Quälerei folgte zuhause in Deutschland dann im Anschluss nicht. Auch was die Wartungs- oder Reparaturarbeiten angeht musste ich nicht viel machen. Bei der letzten Tour hab ich einen Handschützer verloren (und mit Glück wiedergefunden) was mich nun dazu bringt doch ohne die Bügel zu fahren. Nachdem ich die Enduro Engineering Schützer abgebaut hatte fühlt sich der Lenker gleich schmaler an und das Gefühl ist auch deutlich agiler. Erstaunlich wieviel Unterschied das ausmacht! Von Odi hab ich in dem Zuge noch die geschlossenen Lock-On Griffe verbaut die ich noch gebraucht von meiner anderen Maschine in der Garage liegen hatte. Auch hier machen wenige Millimeter Griffumfang wieder ein ganz anderes Fahrgefühl. Mit den dicken Griffen braucht es etwas mehr Handkraft und das Bike fühlt sich auch etwas größer an. Dafür hat man einen großen Komfort und bekommt kaum Blasen an den Handinnenflächen was bei den Marathontagen der Romaniacs entsprechend wichtig war. Mit den dünnen und festen Odi Griffen ist das Lenkgefühl wieder direkter und der Komfort reduziert. Ich mag es ein Bike für bestimmte Ansprüche zu verändern und hab jetzt wieder Lust auf das Setup was nun verbaut ist. Wobei so ganz ohne Handschützer ist es auch immer komisch wenn man im Wald unterwegs ist da Äste, Sträucher etc. an den Hebeln und Fingern nicht so angenehm sind. Wenn es mir nicht passt werde ich die originalen und schön flexiblen Handschalen von Sherco wieder montieren.
Leider hatte ich zuletzt wieder einen deutlich erhöhten Leerlauf nach intensiven Fahrstücken und kann mir das nicht erklären. Fett genug bedüst ist die Sherco laut Handbuch und Empfehlungen, übrigens bei erstaunlich geringem Verbrauch, trotzdem läuft der Motor nach. Ich werde mal den Gaszug tauschen und wieder alle Düsen ausbauen und den gesamten Keihin Vergaser reinigen.
Auf dem Programm stand eigentlich mit der Sherco mein Lieblingsrennen in Winkel zu fahren, aber von den positiven Erfahrungen aus dem Rennen in Lingen beflügelt, möchte ich in der Eifel doch auch versuchen elektrisch meine Runden zu drehen. Also geht es morgen mit der Sherco und dem neu montierten Nitro Mousse ohne Rennstress ins Gelände!
Dauertest Sherco SER 300 Teil 5
In diesem Monat habe ich die Sherco wieder zurück in den Originalzustand gebaut und nur noch einmal richtig gefahren. So richtig rational begründen kann ich meine Entscheidung nicht, aber ich werde die Französin nicht behalten. Ich versuche mal ein Fazit aus dem letzen halben Jahr hier zu Papier zu bringen, ohne zu beschönigen oder schwarz zu malen.
Zuerst finde ich die Sherco schick, mir gefiel das Design vom ersten Mal sehen! Auch gefällt mir, dass man am Startgatter nicht dreimal nachsehen muss ob man auch sicher sein eigenes Bike erwischt hat. Soll ja schon vorgekommen sein, dass der ein oder andere Pilot auf der falschen orangen Sportenduro ins Rennen gefahren ist! Ganz klarer Vorteil liegt im Vertrieb und der Kundenbetreuung. Hier gibt es ja immer die Stimmen die sagen man bekäme ja nirgendwo Teile für die „Exoten“. Ein Anruf oder eine Nachricht ans Smartphone von Marcus Kehr und Teilesorgen sind vergessen. Großes Lob auch an den technischen Support der auch Abends beim Wechseln des Kabelbaums Rede und Antwort steht wenn man wie ich ein Elektroniklaie ist. Hier muss Niemand Sorgen haben im Regen zu stehen, sondern kann auf viel Erfahrung und eine gute Ersatzteilversorgung zählen. Auf der anderen Seite macht ein guter Händler auch nicht wett was bei der Entwicklung nicht im Werk als Ideallösung vom Band lief. Mich nerven solche Sachen wie ein leicht überdimensionierter Kabelbaum, oder die fummelige Montage vom Tank und dem Benzinschlauch leider. Mag sein, dass ich hier pingelig bin, aber auch das zur Routinearbeit gehörende Wechseln des Luftfilters von oben ist nicht ideal gelöst. Spaltmaße zwischen Tankflügeln und Heckplastiks sind nichts was die Performance beeinträchtigen, schmälern trotzdem den Gesamteindruck bei Sherco und anderen Bikes aus dem wärmeren Europa.
In einem Wiederspruch stehen das Gewicht des Motorrades und das Handling. Shercos Zweitakter ist nicht gerade ein Leichtgewicht das steht fest. Durch die recht geringe Sitzposition und die schlanke Silhouette lässt sich das Bike aber super spielerisch bewegen. Auch der Motor entwickelt die Leistung gleichmäßig von unten heraus und ist sehr dosierbar ohne ganz an die Spitzenleistung der Branchenkonkurrenz zu kommen wenn man im Originalen Setup unterwegs ist. Positiv hervorheben möchte ich das Fahrwerk von WP welches mit der Open Cartridge mit externer Federvorspannung super variabel und sensibel ist. Da habe ich noch mit keinem Serienfahrwerk so gute Erfahrungen gemacht und war feudig überrascht.
Was auf langen Touren immer auffiel war der gemäßigte Spritverbrauch der Französin die trotz immer fetterer Bedüsung nicht viel fossilen Brennstoff benötigt hat. Mit etwas über 10 Litern ist der Tank gut dimensioniert und lässt keine Wünsche offen.
Ein Klassiker der pauschalen, wenig fundierten Kritik ist immer der nicht vorhandene Kickstarter. Zugegeben ist mein persönlicher Dauertest kein allzu langer geworden, trotzdem lehne ich mich aus dem Fenster und behaupte bei der Sherco benötigt man den Kicker nicht. Mein Redaktionskollege Domi hatte ebenfalls nie Probleme mit dem Starten der Sherco und das Bike steht heute noch in seiner Garage!
Auch was die Wartung angeht hat die Sherco nicht allzuviel Zeit gefordert. Während der harten Romaniacs haben wir tatsächlich nur Reifen gewechselt und sonst hat die Sherco nur mal einen Schluck Kühlwasser verlangt. Und dass Sherco in Hand des richtigen Fahrers das Zeug zum Sieg hat zeigen sowohl Mario Roman und der in diesem Jahr so starke Wade Young gerade eindrucksvoll.
Wenn ich das so revue passieren lasse ist es schon überwiegend Positiv was von der Sherco hängen bleibt. Trotzdem hab ich das Gefühl mit den paar Kleinigkeiten nicht völlig happy zu werden gerade wenn es um hohe Stundenzahlen geht und fahre jetzt erstmal wieder meine 2015er Yamaha WR 250 und das ist eine Idee für die Zukunft: mit Strom.
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